Das Mühleisen ist ein Bauteil aus dem Inneren einer Mühle: Es trägt den oberen Mühlstein und überträgt auf ihn die Drehung des Antriebs. Aus diesem Stück Eisen wurde ein Wappenbild — es steht im Wappen der Stadt Mühlhausen. Und es war das Zeichen des Schlaraffenreyches Molhusia.
Was ein Mühleisen ist
Ein Mahlgang besteht aus zwei Steinen. Der untere, der Bodenstein, liegt fest. Der obere, der Läufer, dreht sich über ihm, und zwischen beiden wird das Korn zerrieben. Die Drehung muss von unten her in den Läufer gebracht werden, ohne dass der feststehende Stein sie behindert — und genau das ist die Aufgabe des Mühleisens.
Die Teile dazu: Die Spindel kommt vom Antrieb herauf und läuft durch das Auge des Mühlsteinpaares, also durch die Öffnung in der Mitte. Im Bodenstein sitzt ein Ankereisen, das die Spindel führt. Und oben, im Auge des Läufers, liegt das Mühleisen selbst quer ein und greift als Haue oder Treiber in den Stein — ein Mitnehmer, der das Drehmoment überträgt. Ohne dieses Stück Eisen wäre der Läufer ein schwerer Stein, der stillsteht.
Warum es so viele Formen gibt
Ein Mitnehmer kann verschieden aussehen, und er hat verschieden ausgesehen. Die einfachste Form ist eine gerade Flachplatte, die quer im Auge liegt. Von dort geht die Entwicklung zu mehrarmigen Formen: zum Kreuz, zum Stern, zu geschweiften Umrissen, die den Läufer an mehreren Stellen fassen.
Diese Formenvielfalt ist der Grund, warum das Mühleisen als Wappenbild so wirkungsvoll ist: Die mehrarmigen Formen sind ohnehin heraldisch — sie stehen aufrecht, gleichmäßig und unverwechselbar im Feld, wie für einen Schild gemacht. Wer ein Mühleisen ins Wappen nahm, wählte damit kein Ornament, sondern das Werkzeug seines Gewerbes.
Das Wappen von Mühlhausen
Das kleine Stadtwappen von Mühlhausen ist gespalten. Oben steht in Gold ein schwarzer Adler mit roten Klauen — das Zeichen der Reichsstadt, das die Zugehörigkeit zum Reich behauptet. Unten steht in Rot ein silbernes Mühleisen — das Zeichen der Stadt selbst, das ihren Namen ins Bild setzt. Die Stadtfarben Rot und Gold kommen aus diesen beiden Feldern.
Ein Wappen, das so aufgebaut ist, sagt zwei Dinge in einem: Wir gehören zum Reich, und wir sind, was wir heißen. Für ein Schlaraffenreych ist so ein Bild ein Glücksfall, denn es ist bereits eine Pointe, bevor jemand sie ausspricht.
Das Mühleisen als Reychssymbol der Molhusia
Die Molhusia nahm das Mühleisen aus dem Stadtwappen und machte es zu ihrem Zeichen. Es erscheint in den Ahnen und Orden des Reyches — den schlaraffischen Abzeichen, die ein Sasse an seiner Rüstung trägt und die für Ämter, Einritte und Verdienste vergeben werden.
Dass davon etwas erhalten ist, verdankt sich einem Zufall: 1988 tauchten auf einem Flohmarkt Molhusia-Ahnen auf — Orden mit dem Mühleisen, über fünfzig Jahre nach dem Ende des Reyches. Von einem Reych, das 1937 schließen musste und dessen Burg verloren ist, sind solche Kleinigkeiten oft das Handfesteste, was bleibt.
Bemerkenswert ist dabei, dass das Reych seine Reychsfarben nicht aus dem Stadtwappen nahm: Die Molhusia führte Schwarz-Gelb, die Stadt führt Rot und Gold. Das Zeichen übernahm das Reych, die Farben wählte es selbst.
Ein zweites Reych mit demselben Zeichen
Mühlhausen ist nicht die einzige Stadt, die ein Mühleisen im Wappen führt. Auch Hameln tut es — die Stadt des Schlaraffenreyches Ob der Hamel (336). Zwei Reyche, zwei Städte, dasselbe Stück Eisen aus dem Mahlgang.
Das ist kein Zusammenhang, sondern eine Übereinstimmung, und genau als solche steht sie hier. Wo Mühlen den Ort ernährten, kam das Mühleisen ins Wappen; wo das Wappen ein Mühleisen trug, lag es nahe, dass die Schlaraffen es aufgriffen.
Die Blasonierung des kleinen Mühlhäuser Stadtwappens und die Stadtfarben sind nach der Darstellung der Stadt Mühlhausen wiedergegeben. Die Angaben zu Aufbau und Bauformen des Mühleisens sowie zum Mühleisen in den Ahnen und Orden der Molhusia und zum Reych Ob der Hamel (336) stammen aus der Sammlung des elektronischen Allschlaraffischen Reychsarchivs. Der Flohmarktfund von 1988 ist in den schlaraffischen Unterlagen überliefert; wo und durch wen die Ahnen gefunden wurden und wo sie heute liegen, ist uns nicht bekannt. Eine Abbildung fehlt auf dieser Seite absichtlich: Für das Stadtwappen sind die Nutzungsbedingungen noch nicht geklärt, und von den Molhusia-Ahnen liegt uns kein Bild vor, dessen Rechte geklärt wären. Wer eines besitzt, möge sich bitte melden.